Chronologie
der Aktionen und Reaktionen 14
November 2010
Zusätzliche
Informationen enthielt die Antwort der Senatsverwaltung auf eine weitere
Kleine Anfrage von Michael
Braun. Da die Antworten z.T. schwer verständlich und nicht präzise waren,
richtete Michael Braun am 10. November eine weitere Kleine Anfrage an den Senat:
„Betrifft: Senat
ignoriert Lärm von der AVUS und erweitert diesen jetzt flächendeckend über die
Ortsteile Nikolassee-Zehlendorf (Teil II)
Ich frage den Senat von
Berlin:
1.
Wann wird die
Grundinstandsetzung der A 115 (AVUS) von der Landesgrenze bis zur
Anschlussstelle Spanische Allee erfolgen?
2.
Bedeutet die Antwort zu 1 b)
und 6 der Kleinen Anfrage zur Nr. 16/14 791, dass der vorgenannte Abschnitt der
A 115, also der von der Landesgrenze bis zur Anschlussstelle Spanische Allee,
mit Flüsterasphalt versehen wird? Wenn nicht, warum nicht?
3.
Warum ist es möglich, die
BAB im Norden gen Stolpe mit einer Geschwindigkeit auf Tempo 60 km/h zu
reduzieren, während dies auf der AVUS nicht möglich sein soll?
4.
Beabsichtigt der Senat von
Berlin initiativ zu werden, um auf der AVUS, und zwar von der Landesgrenze bis
zum Autobahndreieck Funkturm, Tempo 60 km/h anzuordnen?
5.
Ist dem Senat von Berlin
bekannt, dass zwischenzeitlich auch der ADAC eine Geschwindigkeitsbegrenzung der AVUS auf Tempo 60 km/h unterstützt?
6.
Welche Lärmschutzmaßnahmen
sind zur Entlastung der Anwohner in der Borussen-, Münchow- und
Paul-Krause-Straße mit der Instandsetzung an der AVUS geplant? Ist es in diesem
Bereich in Kombination mit den Gleisbauarbeiten an der S-Bahn nicht möglich, die
in einem Trog verlaufende AVUS zu deckeln?“
* * *
Nur wenige
Kilometer hinter der Landesgrenze, im Autobahnabschnitt der A10, konnte eine
Bürgerinitiative in Michendorf –
hier gibt es eine mit Nikolassee vergleichbare Situation durch Zerschneidung des
Ortes durch die Autobahn – hinsichtlich Lärmschutz bemerkenswerte Ergebnisse erzielen, und
zwar gemeinsam mit Landesregierung, Landtag und Bundesverkehrsministerium. Der
Tagesspiegel berichtet darüber. In Berlin scheint das zur Zeit nicht
möglich, zuviele in der Senatsbauverwaltung schwören auf „Bewährtes“.
* * *
Am 15.
November beschloss die Mehrheit des Berliner Abgeordnetenhauses, die
Planungsmittel für den umstrittenen Weiterbau der A100 bis Treptow freizugeben.
In der Planung ist auch die Verwendung von Flüsterasphalt für die Neubaustrecke
vorgesehen – da gehts (würde es beim tatsächlichen Bau gehen),
warum nicht in Nikolassee?
* * *
Eine Meldung aus dem Verkehrsministerium vom
19.11., die nicht nur der dortigen BI Freude macht (noch ein Danke an den
Bundesverkehrsminister):
„Ramsauer: Schleuse
Kleinmachnow bleibt erhalten – kein Ersatzneubau
Das Bundesministerium für
Verkehr, Bau und Stadtentwicklung überprüft im Zuge der
notwendigen Haushaltskonsolidierung auch alle geplanten
Wasserstraßenbaumaßnahmen. Ein Ergebnis steht bereits fest:
Der Ersatzneubau der Schleuse Kleinmachnow wird nicht
realisiert.
Zum weiteren Vorgehen sagte der Bundesverkehrsminister Peter
Ramsauer:
„Die bestehende Schleuse in Kleinmachnow wird instandgesetzt.
Das ist Aufgabe der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost.
Die vorhandene Bausubstanz wird restauriert, Eingriffe in
die Natur finden dabei nicht statt. Durch die
Grundinstandsetzung wird der Verkehr auf dem Teltowkanal mit
den derzeit zugelassenen Fahrzeugen auch in Zukunft möglich
sein."
Bereits 2003 ist der Ausbau des Teltowkanals aufgegeben
worden. Seitdem werden dort nur noch sicherheitsrelevante
Maßnahmen, wie Ufersicherungen, durchgeführt. Mit Aufhebung
des Planfeststellungsbeschlusses für den Neubau der
Kleinmachnower Schleuse erhalten die umliegenden Gemeinden
die Planungshoheit im betroffenen Bereich.“
* * *
Am letzten Novembertag wurden die AVUS-Sanierungspläne in der
Presse publiziert. Die Morgenpost berichtete darüber u.a. (Auszug):
Komplettsanierung legt Avus lahm
„Nach der Winterpause beginnt die Komplettsanierung der maroden Stadtautobahn
A115. Die Bauarbeiten sollen zweieinhalb Jahre dauern und die Avus lange zur
Staufalle machen.
Während der Sanierung der Avus sollen immer zwei Spuren stadtauswärts und eine
Spur stadteinwärts eingerichtet werden
...
Anders als beim umstrittenen Weiterbau der A100 vom Dreieck Neukölln nach
Treptow ist für die Bundesautobahn 115 kein Flüsterasphalt vorgesehen – sehr zum
Ärger der Bürgerinitiative Lärmschutz Avus. „Die Kompletterneuerung der Fahrbahn
hätte es möglich gemacht, ohne große Mehrkosten viel zur Lärmreduzierung
beizutragen“, sagt Matthias Mayrhofer von der Initiative. Doch der offenporige
Asphalt, der als besonders geräuscharm gilt, soll auf der Avus keine Verwendung
finden. Begründet wird dies jedoch nicht mit Mehrkosten, sondern mit dem
aufwendigeren Unterhalt.
„Der Entwurf sieht aufgrund der außerordentlichen Verkehrsbelastung eine
Deckschicht aus Gussasphalt vor“, heißt es in einem Schreiben der
Senatsverwaltung. Wenn Flüsterasphalt aufgebracht werde, müsste es auch
spezielle Reinigungsmaschinen für die Asphaltdecke geben. Diese stehen aber
offenbar nicht zur Verfügung. Ein weiteres Argument gegen den lärmarmen Belag
ist laut Senatsverwaltung, dass er eine besondere Behandlung im Winterdienst
erfordere.
Mayrhofer ist darüber verwundert: „Die Senatsverwaltung setzt nicht nur beim
Weiterbau der A100, sondern ganz konkret bei der Sanierung der A100 zwischen
Alboin- und Gradestraße und der A103 zwischen Sachsendamm und Wolfensteindamm
auf eine offenporige Asphaltschicht.“ Dort spiele das erforderliche „Reinigungsequipment“
aber offenbar keine Rolle. „Hier gibt es Erklärungsbedarf“, so der Jurist. In
den Bereichen, in denen Wohngebiete an die Avus grenzen, soll nach Auskunft der
Senatsverwaltung nun Gussasphalt verwendet werden, der jedoch so verändert sei,
dass er der Richtlinie für Lärmschutz an Straßen entspreche. So soll der
Verkehrslärm um zwei Dezibel reduziert werden.
Mayrhofer ist das zu wenig. „Noch im Sommer hatte Senatorin Junge-Reyer die
Verwendung von Flüsterasphalt zumindest für den Abschnitt in Nikolassee in
Aussicht gestellt“, sagt er. Dies solle jetzt offenbar nicht mehr gelten.
Besorgt ist der Lärmschutz-Aktivist insbesondere hinsichtlich des zweiten
Bauabschnitts der Avus von der Spanischen Allee bis zur Landesgrenze. Diese
Arbeiten sollen beginnen, sobald die knapp neun Kilometer zwischen Funkturm und
Spanischer Allee fertig sind – also voraussichtlich 2013/2014. Über die Details
zum geplanten Bauablauf an der Avus will die Verkehrssenatorin noch vor der
Weihnachtspause informieren.“
(Morgenpost 30. November 2010)
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